Visagistin & Friseurmeisterin    

Eines der charakteristischen Phänomene unserer Zeit scheint ein phasenweise ungezügeltes, zumindest aber unbesonnenes Kaufverhalten zu werden. Für viele hat der dranghafte Kaufimpuls offenbar eine „Ventil-Funktion“ für Probleme aller Art, sagt man in der Psychologie. Dem kommt nicht zuletzt unsere moderne, konsumorientierte Weltanschauung entgegen, mit der ja bereits Kinder konfrontiert werden („Spielzeug statt Zuwendung, Geld statt Lob“). Dazu die raffinierte Werbung…. .

Ein totaler Verzicht ist nicht gleich die beste Lösung, unsere Welt würde nämlich zum Stillstand kommen, wenn wir alle nicht mehr konsumieren und eine strenge Shoppingdiät halten würden. Auch wenn diese Dramaturgie natürlich einen weiten Bogen spannt und zwischen „Ich verzichte eine Zeitlang auf Klamotten und anderes Lifestyle-Gedöns, weil ich viel zu viel habe“ und „Ich kaufe gar nix mehr und lebe ab sofort wie ein Steinzeitmensch“ viel viel viel Platz ist. Ich bin der Meinung von Karl Lagerfeld:

„Das Geld muss zirkulieren. „

Karl Lagerfeld

Ich konsumiere eigentlich gerne und Konsum macht durchaus Sinn. Aber wie bei allem geht es um das richtige Maß, das Bewusstsein und die Reflexion. Und das alles finden viele erst durch einen Verzicht.

Daher (und weil ich gelernt habe, dass solche Überschriften total erfolgreich sein sollen) gibt es jetzt 

Zehn Gründe, warum eine Shoppingdiät Sinn macht:

  1. Weniger ist mehr: Eine Shoppingdiät erdet und schafft Bewusstsein für die Dinge, die man schon hat. Oder die man wirklich haben möchte oder brauchen kann. Denn wir haben alle zu viel. Von allem.
  2. Sie ist zeitlich begrenzt: Eine Shoppingdiät hat ein Anfang und ein Ende. Und zwischendrin passiert eine ganze Menge, nämlich:
  3. Sie macht uns kreativ: Weil wir mit dem klarkommen müssen, das wir schon haben und trotzdem nicht jeden Tag das selbe anziehen möchten. Wir finden plötzlich lang verborgene Schätze in unserem Kleiderschrank, lernen unsere Schrankleichen kennen, kommen auf neue Styling-Ideen.
  4. Sie lehrt uns zu schätzen: Bei all diesen Experimenten merken wir mal wieder, wie viele Sachen wir eigentlich haben und wie viele davon total unnötig sind. Und wir schätzen die, die wir richtig gerne mögen.
  5. Sie lässt uns hinterfragen: Denn warum kaufen wir so viel, das wir gar nicht brauchen oder noch schlimmer, das uns gar nicht wirklich gefällt? Weil es ein Schnäppchen war? Oder ein voller Kleiderschrank irgendwie gut tut und wir damit uns als coole Fashionistas fühlen? Weil wir jeden Morgen ein Stylo-Outfit tragen können? Und woher kommen eigentlich all diese Klamotten, die uns so cool sein lassen und was passiert mit denen, die nicht verkauft werden?
  6. Sie schockt uns: Richtig, nämlich aus armen Ländern von noch ärmeren Näherinnen. Die unter schlimmsten Bedingungen dafür sorgen, dass wir cool sein können. Wer es noch nicht gesehen hat: Schaut euch die Serie der drei jungen, coolen Norweger an, die einen Monat in Kambodscha verbringen und dort in einer Textilfabrik mitarbeiten. Danach könnt ihr nicht mehr guten Gewissens bei den großen Billigheimern einkaufen, denn auf den Punkt gebracht: „Shopping shouldn’t be a hobby“.
  7. Sie lässt uns umdenken: Nicht nur im Bereich Fashion, sondern im gesamten Leben. Palmöl in Kosmetik, Massentierhaltung, Kinderarbeit, ausgebeutete Kleinbauern, abgeholzter Regenwald, verschmutze Meere – das alles und noch viel mehr ist uns plötzlich nicht mehr egal.
  8. Sie bringt uns zu bewusstem Konsum: Deswegen denken wir ab sofort viel mehr darüber nach, was wir kaufen, was wir wirklich brauchen und warum. Wo die Dinge herkommen, wie die Produktionsbedingungen sind und ob die Anschaffung uns langanhaltende Freude bereitet. Wir schmeißen unser Geld also nicht mehr zum Fenster raus.
  9. Sie macht uns dankbar: Darüber, dass es uns so gut geht, dass wir so viele tolle Erkenntnisse haben durften, dass wir so viele Möglichkeiten haben. Und deswegen:
  10. Sie macht bessere Menschen aus uns: Weil wir Dinge anders machen als vorher, weil wir uns vielleicht bei irgendeinem Projekt engagieren, das die Welt ein kleines Stück besser macht, weil wir nicht mehr alles einfach so hinnehmen, weil wir wissen, dass wir zwar nie alles richtig machen können, aber jede Kleinigkeit trotzdem besser ist als nichts. Und wir immer mehr in der Community werden wollen, damit die großen Bösen auch irgendwann mit dem Umdenken anfangen. So eine Gemeinschaft lebt von der Vielzahl ihrer Mitglieder. Denn wir wissen:

„In order to save everything we need everyone!“

Die liebe Sinja und ich, wir durften mit unseren Freunden ein tolles neues Projekt von Henrik und Stefan unterstützen. Die beiden haben ‚Shoreless‘ gegründet. Auf hohem Niveau kreieren und recyceln sie Produkte mit Respekt gegenüber der Natur. Unsere Freunde haben Modell gestanden für die erste Kollektion, Sinja hat das Produktshooting übernommen (..ganz allgemein ist sie eine großartige Fotografin ) und vorab hat, passend dazu, jeder von mir ein authentisches und natürliches Haar- und Make-up Styling bekommen.

Aber wie shoppt man denn nun bewusst?

Wir kaufen zu viel, zu oft, zu billig und zu unüberlegt.

Was braucht man von all dem wirklich, um glücklich und zufrieden zu sein?
Auf diese Frage findet man nicht so schnell eine Antwort. Die Fast-Fashion-Industrie hat unser Kaufverhalten stark geprägt. Also habe ich mir Zeit genommen. Habe mich ausgetauscht, recherchiert, gelesen. Unter anderem Nunu Kallers empfehlenswertes Buch: Ich kauf nix! (Wie ich durch Shopping-Diät glücklich wurde) und warum wir kaufen, was wir nicht brauchen, erklärt das Buch: Konsum. Außerdem sehr lesenswerte das Buch von Kerstin Bürk: Happiness is homemade (dein Reisebegleiter ins Glück) weg vom viel, hin zum weniger.

‚Wissen schafft Bewusstsein und bewusstes shoppen fördert die Freude am Produkt.‘ Also könnten wir versuchen:

1. In Qualität investieren

Der Fast Fashion Kreislauf funktioniert so: Man kauft günstig, um den Kontostand zu schonen. Der Pulli sah im Geschäft auch noch ganz gut aus. Nach wenigen Wäschen bilden sich aber schon erste Faserknötchen, der Stoff bekommt einen Grauschleier, Nähte lösen sich. Qualitativ hochwertige Kleidung sieht nicht nur besser aus, sie hält auch länger. Deswegen: Kauf dir statt fünf Billigteilen lieber nur ein richtig tolles Teil.

2. Den eigenen Stil finden

Wer seinen eigenen Stil gefunden hat, ist sofort weniger anfällig für Schnäppchen und ‘Must-Have Teile der Saison. Man kauft nicht mehr wahllos, sondern ganz bewusst nur Dinge, die zum eigenen Stilkonzept passen.

3. Fair Mode Labels unterstützen

Faire Mode hat sich schon lange von ihrem muffigen Öko-Image verabschiedet und bietet für jeden Geschmack nachhaltige Alternativen zu H&M und Co. Zum Beispiel: Shoreless.world

4. Eigene Entscheidungen treffen

Wir wählen – indirekt – mit unserem Geld. Denn wofür wir es ausgeben, entscheidet, welche Firmen Erfolg haben, und welche nicht. Wer sein Geld in Geschäften ausgibt, deren Mode nicht mit den eigenen Prinzipien übereinstimmt, unterstützt eine Zukunft, in der es in Ordnung ist, Arbeiter zu missbrauchen und die Umwelt zu verschmutzen.

-> Hier kannst du zum Beispiel das OceanCare Projekt unterstützen.

„Weniger ist mehr.“

Es macht wirklich Spaß bewusst zu sein, zu hinterfragen, was man wirklich braucht. Ich fühle mich so leicht! Ich weiß, dass ich das Richtige tue, und bin definitiv glücklicher, wenn ich jetzt in meinen übersichtlichen Kleiderschrank schaue.

Und über das, was man mit dem frei gewordenen Budget alles anfangen kann, darfst du selbst nachdenken … Ich rate dringend zum Nachmachen! 🙂

In diesem Sinne: Happy No-Shopping everyone.


Nur bitte wirf nicht gleich alles weg. Es gibt tolle Verkaufsmöglichkeiten und Tauschoptionen in einem Secondhand-Laden, auf Flohmärkten (z.B. Mädchenklamotte und Klimbims), über Ebay und Kleiderkreisel.
Mit dem gesparten Geld lade ich Freunde ein, genieße ein gutes Essen, gehe raus in die Natur, auf ein Konzert oder fahre in den Urlaub. Denn das sind die Dinge- die Erfahrungen, die unsere Bedürfnisse nach Anerkennung und Wertschätzung wirklich erfüllen. Dinge, die kein Hersteller der Welt verkaufen kann – und die nie veralten.

Wenn du mehr lesen möchtest, über meinen Beitrag zum Umweltschutz, dann klicke hier.

Das Ergebnis von meinem unterstützen Projekt kannst du dir demnächst hier ansehen und mehr über die Gründung von ‚Shoreless.world‘ erfahren.

-> der Shoreless.shop geht Ende Oktober 2020 online, bis dahin folgt denen einfach über Instagram

Danke an das ganze Team und besonders an die Fotografin, Sinja Hemke, für die tollen Fotos.

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24. August 2020